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Allgemeine Informationen

Das Zentrum für Wissenschaftsgeschichte der Universität Graz bildet eine einzigartige wissenschaftshistorische Forschungsstätte in der akademischen Landschaft Österreichs. Es nimmt das Phänomen »Wissenschaft« in seiner historischen Tiefendimension und in seinem Wandel wahr. Ein Schwerpunkt des Zentrums für Wissenschaftsgeschichte liegt demnach in der Erforschung der Wissenschafts- und Medizingeschichte der Renaissance, Frühen Neuzeit und des 18. Jahrhunderts als entscheidende Phasen der Formation und Institutionalisierung moderner Wissenschaftskonzepte, die mitunter auch spätere Entwicklungen von Wissenschaft und Technik und deren Fragestellungen und Probleme erst zu begreifen erlauben. Forschungsschwerpunkte bilden aber auch die Geschichte der Natur- und Geisteswissenschaften des 19. und frühen 20. Jahrhunderts sowie die Disziplingeschichte der History and Philosophy of Science im 20. und 21. Jahrhundert.

Die Wissenschaftsgeschichte ist in den letzten Jahrzehnten Gegenstand einer intensiven methodologischen Debatte geworden, die praktisch bis in die Gegenwart reicht. Nach der Professionalisierung und Internationalisierung der History of Science seit den 1950er Jahren haben sich auch verschiedene wissenschaftshistoriographische Konzepte sowie Analyseperspektiven auf Wissenschaft ausgebildet, die miteinander in Konkurrenz getreten sind. Vom methodologisch-historiographischen Standpunkt wird immer klarer, dass eine angemessene Herangehensweise an die Gegenstände der Wissenschaftsgeschichte sowie der aktuellen Wissenschaftsforschung eigentlich nur in der interdisziplinären Verbindung von Kompetenzen zu bewältigen ist, die in der Kooperation von Geistes-, Kultur-, Sozial- und Naturwissenschaften zu leisten wäre. Neuere Forschungstendenzen zeigen darüber hinaus, dass Geschichte und Philosophie integrierende Methoden für das Fach zukunftsweisend sind. Hinzu kommt, dass sich die Wissenschaftsgeschichte auch der Globalisierung geöffnet hat und dass sich somit das Studium der Genese und Entwicklung des wissenschaftlichen Wissens in den Kontext der globalen Entwicklung von Kulturen und Zivilisationen einschreibt.

Es steht außer Frage, dass Wissenschaft und Technik in modernen Gesellschaften eine zentrale Rolle spielen. Das Verständnis von Wissenschaft und Technik erfordert wissenschaftliche Expertise, die sich dieser kontinuierlich sich verändernden Phänomene, deren Gegenstände und Konzepte im soziohistorischen Kontext annimmt. Spätestens seit den 1960er Jahren wurde der internationalen Forschungsgemeinschaft der Natur- und Geisteswissenschaftler bzw. Natur- und Geisteswissenschaftlerinnen bewusst, dass die Wissenschaften, insbesondere die Naturwissenschaften, keine kontinuierliche, kumulative und alternativlos voranschreitende Entwicklung erfahren haben. Zudem wurde klar, dass naturwissenschaftliche Theorien, z.B. physikalische Theorien, keine abstrakten Gegenstände sind, die sich ohne weiteres durch ihren logischen Aufbau, ihre Axiomatik und Sprachstruktur beschreiben lassen. Vielmehr sind physikalische Theorien – bzw. die Gegenstände und Konzepte der Naturwissenschaften überhaupt – historische Entitäten, deren vollumfängliche Beurteilung die Wahrnehmung ihres historischen Charakters und Kontextes erfordert.

Dementsprechend bezweckt wissenschaftsgeschichtliche Forschung die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den Naturwissenschaften und der Technik, die ihrem historischen Charakter Rechnung trägt. Als Wissenschaftsgeschichte bzw. als wissenschaftshistorisch werden prinzipiell Daten, Ereignisse, Episoden usw. bezeichnet. Da historische Daten, Episoden, Ereignisse usw. jedoch nicht aus sich selbst explikative Kraft besitzen, bedarf es der Wissenschaftsgeschichtsschreibung, die eine Beschreibung oder Erklärung dafür liefert. Eine wichtige Einsicht bei der historischen Auseinandersetzung mit Naturwissenschaften und Technik war, dass deren Gegenstände (Theorien, Konzepte, Objekte, epistemische Praktiken etc.) nicht abstrakt erfasst werden können, sondern in Texten oder anderen Artefakten niedergelegt und dargestellt werden. Zu zentralen Tätigkeitsbereichen wissenschaftsgeschichtlicher Forschung gehören somit a) die Identifikation von Quellen als Datenträger wissenschaftlicher Theorien, Konzepte, Praktiken etc., die in Form von Texten, Büchern, Notizbüchern, Handschriften, Briefen, Bildern, Objekten, Instrumenten etc. vorliegen und in Archiven, Bibliotheken, Nachlässen, Museen, Laboratorien, etc. sowie z.T. in digitalisierter Form auf Internet-Datenbanken aufbewahrt werden; b) die Beschreibung oder Erklärung solcher Quellen durch Erklärungsmodelle, in denen historische Daten dargestellt, analysiert und ausgewertet werden; c) die Einbettung und Kontextualisierung historischer Daten in größere soziale, politische, kulturelle und ökonomische Zusammenhänge.

Ferner hat die neuere methodologische Debatte in der History and Philosophy of Science (HPS) gezeigt, dass das Konfrontationsmodell der HPS, d.h. die Erprobung wissenschaftstheoretischer Konzepte anhand standardisierter historischer Episoden, hochproblematisch ist und verabschiedet werden sollte. Stattdessen orientiert sich die gegenwärtige Debatte in Richtung einer Integrated History and Philosophy of Science (&HPS) sowie einer Philosophical History of Science (PHS), deren Probleme und Perspektiven identifiziert wurden. Eine adäquate Beschreibung und Erklärung der Beziehung Wissenschaftsgeschichte – Wissenschaftstheorie bedarf jedoch noch eingehender konzeptueller, methodologischer und historischer Arbeit. Diese Neuorientierung der internationalen Forschergemeinschaft birgt ein enormes Potential hinsichtlich der Entwicklung innovativer Theorien, Methoden, Ansätze und Konzepte im Bereich von &HPS und PHS. Das Zentrum für Wissenschaftsgeschichte ist bestrebt, durch geeignete Kooperationen mit Fachvertretern und Fachvertreterinnen anderer Disziplinen – vornehmlich der Philosophie und der Soziologie – auf dieser methodologischen Ebene innovativ zu forschen und die Konzipierung interdisziplinärer Forschungsprojekte dezidiert zu fördern.

Kontakt

Zentrum für Wissenschaftsgeschichte
Mozartgasse 14, 2. Stock 8010 Graz
Leiter: Herr Univ.-Prof. Dr. Simone De Angelis Mobil:+43 (0)316 380 - 2649

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